Saisonabschluss: Hopp oder Topp?
Am Wochenende des 18./19. April sind die letzten beiden Runden der Oberliga Ost 2025/2026 in Tegel ausgetragen worden. Die Vorzeichen waren klar: Alle Mannschaften hatten noch Aufstiegschancen, für uns zählten ohnehin nur zwei Siege – gegen Görlitz am Sonntag mussten wir auf jeden Fall gewinnen. Ersatzgeschwächt wie wir waren, haben uns aber Ulf und Stephan/Kristian an den hinteren Brettern stark vertreten.
Gegen Rotation
Rotation hat erwartungsgemäß ein starkes Team aufgestellt, seit einiger Zeit verstärkt durch Igor Glek am Spitzenbrett. Robert hat am Spitzenbrett relativ schnell Remis gemacht. Dann haben unsere Joker gezogen: Ulf und Stephan haben beide überzeugend gespielt. Stephan hat mit schwarzfeldrigem Druck im Katalanen ein chancenreiches Qualitätsopfer gebracht und die Bastion des gegnerischen Königs zerstört. Ulf hat die Qualität mitgenommen, sich gegen nebulöses Gegenspiel behauptet und in den entstehenden Verwicklungen gesiegt. Jonas E. hat sein starkes Spiel von der BEM fortgesetzt: Mit Schwarz hat er seinen Gegner nach Belieben dominiert, sein charakteristisches Druckspiel aufgezogen und einen starken Opponenten bezwungen. Martin hat seinen bewährten Tarrasch gespielt, einen Bauern etwas voreilig für einen starken Blockadespringer geopfert und nach etwas Zittern mit Schwarz ein gutes Remis geholt. Marco hat seinen gefühlten Vorteil nicht in den vollen Punkt umwandeln können – sein Gegner hat sich aber auch sehr umsichtig verteidigt. Jonas F. hat sich noch lange nach der Partie geärgert: Mindestens vier mehr oder weniger klare Gewinne wurden ausgelassen, wie beim anschließenden Burger-King-Besuch gemeinsam festgestellt wurde. Auch Michael ist enttäuscht abgereist: Nach überlegener Eröffnung hat er in ein optisch klar besseres Endspiel umgewandelt, doch die Zeit ist ihm weggelaufen – und nachher hat der Gegner mit einem Trick noch zwei starke Bauern eingesammelt. Fazit: 5:3 für uns, Görlitz konnte kommen.

Gegen Görlitz
Am nächsten Morgen das Entscheidungsspiel – nur ein Sieg hat gezählt, denn Görlitz hatte Schachfreunde knapp geschlagen. Anders als sonst ist im Auto wenig gesprochen worden, Konzentration und Müdigkeit waren gleichermaßen hoch. Nominell leichte Außenseiter, haben wir Görlitz immerhin etwas überraschen können: Für Marco und Stephan sind Torsten und Kristian eingerückt.
Erneut haben unsere Joker fast gezündet. Ulf hatte gute Chancen – sein Gegner hatte einen Pfahl im Fleisch auf f6 zugelassen und stand mit dem Rücken zur Wand. Auch Torsten hat leichten Druck ausgehalten, stand aber stabil mit allen Figuren im Spiel. Dann der Schock: Beide haben fast zeitgleich ihre Partien verloren. Nach Martins Sieg mit seinem unnachahmlichen Druckspiel ist wieder Hoffnung aufgekommen. Robert und Kristian haben schnell Remis gemacht – bei Jonas E., Jonas F. und Michael standen aber komplexe Stellungen auf dem Brett, bei denen alles möglich war. Wir brauchten zwei Siege.
Jonas F. hat ein solides, relativ korrektes Remis gespielt; beide Seiten haben sich kaum eine Blöße gegeben. Damit war klar: Beide restlichen Partien mussten gewonnen werden. Jonas E. ist dem Sieg sehr nahe gekommen, aber nach der Zeitkontrolle, in der beide im Blitzmodus gespielt haben, hat der Gegner Remis durch Dauerschach erzwungen. Damit ist Michael erneut zum Pechvogel geworden: Zum Siegen verdammt, hat er das angebotene Remis abgelehnt – und musste in einem sehr schweren Endspiel zusehen, wie der Gegner die Stellung langsam verstärkt und den vollen Punkt geholt hat. Sehr bitter. Gratulation an Görlitz – wir waren sehr dicht dran.

Saisonrückblick
Insgesamt war das eine gute Saison mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, einem funktionierenden Team – und der Hoffnung auf den Aufstieg im nächsten Jahr.
Besonders hervorheben möchte ich folgende Leistungen:
Jonas E. hat eine überragende Saison gespielt. 7,5/9 und eine Performance über 2500 sind für sich genommen schon sehr stark – hinzu kommt, dass Jonas zweimal mit dem Rücken zur Wand verteidigt hat, einmal davon in der ersten Runde. Seine Zähigkeit und seine Bereitschaft, immer auf Gewinn zu spielen, haben absolut überzeugt.
Zwei Neuzugänge, beide von Empor gewechselt, haben sich ebenfalls stark eingefügt. Marco hat mit 5,5/8 und einigen starken Partien sofort überzeugt – seine originellen Ideen und sein druckvolles Spiel sind jede Runde ein Genuss. Jonas F. ist häufig als Favorit angetreten und hat diese Rolle meistens erfüllt: 6,5/9, und mit etwas mehr Konsequenz in den letzten drei Runden wäre noch mehr drin gewesen.
Martin hat leider nicht alle Partien bestritten, aber seinen schachlichen Aufstieg der letzten Jahre mit 3,5/5 ohne Niederlage fortgesetzt und viel zum Tegeler Erfolg beigetragen.
Michael ist Maximalist und Kämpfer – Remis gibt es bei ihm erst bei nackten Königen. Vor allem zu Saisonbeginn hat er viele Partien im Endspiel zu seinen Gunsten gedreht. Die letzten beiden Spiele waren enttäuschend, halten ihn aber nicht davon ab, über 50 Prozent abzuschließen.
Stefan hat eine abwechslungsreiche Saison hinter sich: Manchmal etwas Glück, manchmal gute Vorarbeit ohne Ertrag. 3/5 ist das Endergebnis.
Stephan, Mladen, Kristian und Ulf haben als Joker jeweils mindestens 50 Prozent der Punkte geholt und damit ihren Teil beigetragen.
Und last but not least: Roberts Leistung als Mannschaftsleiter, Fahrer, Organisator, Vorbereiter und Seelentröster lässt sich kaum hoch genug bewerten. Schach spielen kann er natürlich auch noch – und ist ungeschlagen geblieben. Danke, Robert!

Partien, Tabellen etc.
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